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Die Hufe eines Pferdes sind immer auch das Abbild der praktizierten Haltungsform!

Ich höre regelmässige Aussagen, wie:
"Dein Rivaldo mag sich da draußen ja vielleicht wohl fühlen, aber für mein Dressurpferd oder meinen Vollblüter wäre das nichts!"
Ein jedes Pferd benötigt artgerechte Lebensumstände, wenn es uns sein Bestes geben und dabei seelisch,
wie physisch gesund sein soll. Ob teures Dressurpferd oder Wald-und Wiesenpony:
Sie ALLE sind aus demselben "Material gemacht" !!

Die Haltung von Pferden wird immer ein Kompromis für die Tiere bedeuten, alles andere würde die Nutzung druch den Menschen unmöglich oder sehr sehr schwer machen. Es geht nicht um das abbürsten von Dreckkrusten oder das Absammeln von Pferdeäppeln im Gehege.
In freier Wildbahn leben Pferde ohne Zäune, wandern mit ihren Herden viele viele Kilometer umher
und wenn wir ihnen das bei gleicher Flächengröße bieten wollten (überhaupt erst könnten),
würden wir unser Pferd nur alle paar Tage ein Mal zu Gesicht bekommen, sooo riesig sind die Gebiete wildlebender Pferde, z.B. die der Mustangs in den USA oder der Wildpferde in Bosnien und Croatien.
Aber nur weil wir nicht "Klein Arizona" hinter dem Haus haben, müssen wir das Lauftier Pferd ja nicht gleich in eine Box sperren!
Stattdessen sollten wir versuchen ihnen den Aufenthalt in menschlicher Obhut so angenehm, sprich so PFERDGERECHT wie möglich zu gestalten, uns dabei an ihrer ursprünglichen Umwelt orientieren und unsere Dankbarkeit weniger in Leckerlies ausdrücken, als in der Schaffung würdiger Lebensräume !!!

Der Equus Caballus hat nur wenige Grundbedürfnisse, deren Erfüllung jedem verantwortungsbewussten Pferdehalter auch in Deutschland möglich sind!
Die Grundbedürfnisse eines JEDEN Pferdes sind:
- Freie Bewegungsmöglichkeit 24 Std. an 365 Tagen auf unterschiedlichen Untergründen
- Leben in einer harmonischen Herdengemeinschaft
- Nahezu permanente Futteraufnahme artgerechter(!) Nahrung
- Eine trockene, windgeschützte Schutzmöglichkeit


Pferde in freier Wildbahn werden bis zu 50 (!) Jahre alt und erfreuen sich dabei bester Gesundheit,
allen voran ihre Hufe! Sie leben so lange und so gesund, weil sie NICHT in Boxen stehen, weil sie KEINE Hufeisen aufgenagelt haben, weil sie KEINE Hochleistungsgräser fressen und weil sie sich NICHT nur auf Wiesen oder federndem Hallenboden laufen und weil sie STÄNDIG mit ihren Herden in Bewegung sind! Ja - richtig:
Sie werden auch nicht geritten, aber ich persönlich bin der Überzeugung, dass dieses der geringste Faktor hierbei ist.
Offizielle Zahlen der FN belegen, dass das Durchschnittsalter eines deutschen Sportpferdes bei 7 (!) Jahren liegt! Bei unseren Hauspferden haben 90% aller Lahmheiten ihren Sitz im Huf! (Studien großer Versicherungen) Nun! Das sollte doch eigentlich Anlaß genug sein, sich ein Mal Gedanken über die praktizierte Pferdehaltung zu machen, oder?
Während der fast ständigen Aufnahme von Nahrung und auf dem Weg zur Wasserstelle, legen wildlebende Pferde bis zu 50km (!) pro Tag zurück. Sie sind nahezu ständig in Bewegung.
Für den Hufmechanismus und die "Blutpumpen" im Huf ist diese Bewegung, auf unterschiedlichen Böden -überwiegend hart, aber auch weich- enorm wichtig.
Man sagt nicht umsonst, die Hufe sind die 4 Herzen des Pferdes!
Die inneren Strukturen in den Hufen verkümmern oder bilden sich unzureichend aus, wenn das Pferd immer nur auf weicher Einstreu steht und sich nur auf Sand-/Hallenboden oder der Wiese bewegt.
Die Folgen einer solchen Aufzucht kann man an Rivaldo sehen: siehe Hufrollensyndrom!
Das alles sind keine natürlichen Untergründe und schon gar keine natürlichen Bedinngungen,
die ein Pferd zur Entwicklung, zum Leben und zum Erhalt gesunder Hufe braucht.
Pferde benötigen Bewegung auf Untergründen die ihren Hufen Wiederstand bieten!

Wildpferde im südaustralischen Outback - Foto (c) Eva-Christiane Erlacher


Die Wildpferde kamen vor Millionen Jahren nach Europa.
Sie verbreiteten sich über den asiatischen Kontinent bis nach Nordamerika.
Von Amerika aus besiedelten sie dann den eurasischen Kontinent über die Beringstraße.
Ihr Weg führte sie entlang der Eisgrenze durch Tundren und boreale Wälder, über Steine und Felsen,
weiter südlich durch Steppen und Savannen mit fein- und grobkörnigem Sand.
Auch heute noch leben verwilderte Hauspferde mit überaus gesunden Hufen in Gebieten,
in welchen teils mehr, teils weniger, aber grundsätzlich immer auch harte Böden vorhanden sind.
Diese Pferde laufen und galoppieren ohne Schmerzen über Steinen und Felsen, wie man in Namib,
den USA, Australien, Coratien, Portugal und Italien bestaunen kann, um nur einige zu nennen.
Durch die täglichen Wanderrungen trainieren sie so ihre Hufe von Fohlen an.
Die kleinen Hufkapseln unserer Hausfohlen verdrehen und verformen sich leider weder in weicher Einstreu,
noch auf der Wiese oder dem Paddock stark. Die Strähle erhalten ebenso wenig bis kaum Bodengegendruck,
die Entwicklung der Strahlpolster und Hufknorpeln ist mangelhaft, weil sie keine Reize durch unterschiedliche und eben auch harte Untergründe erhalten. Die Zehen wachsen in die Länge und schnabeln nach vorne weg, weil keine Wiese und keine Einstreu ihnen so viel entgegenzusetzten hätten, als dass sie sich daran abreiben und formen könnten.
Es braucht pysiologischen Gegendruck um die Hufe zu spreizen, um aus der ursprünglichen Zylinderform des Fohlenhufs, eine stoßdämpfende Kegelform mit optimaler Sohlenwölbung des ausgewachsenen Pferdes werden zu lassen.
Auch die Form und Hufstellung werden durch den Bodengegendruck bestimmt.
Nur wenn die Hufe Impulse durch Abnutzung erhalten, können sie ihr Wachstum danach ausrichten!
Wer also hier in Deutschland z.B. Wanderreiten möchte und das ohne Hufschuhe oder Beschlag,
der muß den Hufen seines Pferdes entsprechende Böden zum Training bieten!

Das erreicht man am Besten, wenn man den Auslauf der Pferde genau mit den Untergründen ausstattet,
auf welchem man überwiegend reiten möchte. Für den Freizeitreiter, der mal ins Gelände geht und mal
auf dem Reitplatz oder in der Halle reitet, bedeutet das, den Auslauf mit Sand und Steinen in Form von großen und kleinen Kieseln, Schotter, Vorsieb oder härteren Paddockmatten auszulegen, zusätzlich zur vorhandenen Weide. Auch z.B. Rasengittersteine, am besten Bruchsteine und kurze, kleine Stücke aus Beton sollten im Auslauf vorkommen.
Ideal ist es, wenn der Tränkenbereich so gestaltet ist, dass auch hier die Hufe, wie in der freien Wildbahn,
mit Wasser oder Matsch in Kontakt kommen und so das tägliche Hufbad Normalität im Alltag einer artgerechten Haltung ist.
Der Huf eines wildlebenden Pferdes kommt in der Natur nie mit Fett in Berühung!!
Warum also pinseln wir die Hufe unserer Pferde mit Fetten oder Ölen ein? Weil es hübsch ausschaut?
Der Kontakt mit Wasser ist für die Hufe freilebender Pferde allerdings absolut natürlich und findet regelmässig statt, denn die Pferde stehen meist mind. mit den Vorderbeinen, oft mit allen 4 Hufen im Wasser, wenn sie saufen.

Wildpferde in Cornwall - Foto (c) Stefan Scheider - www.scheider.de


Selbst in sehr trocknenen Gebieten kommt der Huf eines wildlebenden Pferdes mit Wasser in Berührung,
denn irgendwann muss jedes Pferd trinken, um zu überleben.
Die Hufe (und auch die Lungen) frei lebender Pferde sind nicht den schädlichen Einflüssen ihrer Ausscheidungen (Äppel und Urin) ausgesetzt. Sie treten höchst selten mit ihren Hufen in Kot oder Urin, denn sie sind in fast ständiger Bewegung und sowieso immer an der frischen Luft.
Giftige Gase und Dämpfe können hier nicht entstehen.
Nahrungsangebot, Ruhestätte und Trinkwasser liegen in der Natur niemals an einem Ort!
Weder ein Wildpferd, noch ein Hauspferd frisst dort, wo es hin geäppelt hat (sog. Geilstellen).
Nur dass das wildlebende Pferde deutlich größere Flächen zur Verfügung hat und ausweichen kann.
Unsere Hauspferde dagegen haben i.d.R. leider nur ihre Box und Weiden mit überhöhter Besatzdichte.
Möchten wir Menschen in einem Raum leben, in dem wir uns gerade mal um die eigene Achse drehen können und welcher uns gleichzeitig als Toilette, sowie als Esstisch dient? Das ist eine Pferdebox!
Ammoniak, Pilze und Bakterien im Übermaß haben in der Wildnis keine Chance Hornmaterial zu schädigen!



Wildpferde in Bosnien-Herzegowina - Foto (c) Peter Zelibor


Das Pferd ist ein Nestflüchter ohne Nest!
Anders als Vögel, Katzen, Kängurus oder Menschen liegen die Fohlen nicht in einem Nest,
sie werden auch nicht von der Mutterstute umhergetragen oder vor Fressfeinden in einer Höhle versteckt.
In freier Wildbahn führt die Stute ihr Fohlen schnell von der Geburtsstelle weg, zieht mit der Herde sofort weiter, weil Freßfeinde von der Nachgeburt und natürlich auch vom Fohlen selbst angelockt werden.
Allein aus psychischen Gründen sollte man also bitte keine Stute zur Abfohlung einsperren.
Das manchmal zu beobachtende agressive Verhalten der Mutterstute nach der Geburt ist hierauf,
auf den Raub der Bewegungs- u. Fluchtmöglichkeiten zurückzuführen.
Die weichen Fohlenhufe bekommen in freier Wildbahn direkt Bewegung, natürlich auch auf hartem Untergrund
und das noch bevor sie überhaupt zum ersten Mal die Muttermilch trinken!!
So erhalten nicht nur die Hufe die Beanspruchung, welche sie zur Funktionsfähigkeit benötigen, sondern auch der gesamte Organismus, alle inneren Organe, das Herz-Kreis-Laufsystem, sowie Knochen, Sehnen, Bänder und Gelenke bekommen das Signal: LEBEN beginnt!!- und die Nährstoffe gelangen an die Stellen, wo sie benötigt werden.
Und genau das benötigt ein Pferd ein Lebenlang!
Freie Bewegungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Böden innerhalb einer Herde!

Tina Gottwald hat einen wunderbaren Text verfasst: Pro-Barhuf: Haltung und Fütterung
Einen weiteren tollen Text von Christiane Erhardt zum Thema Haltung finden Sie hier:
Vaquero Horsemanship: Artgerechte Haltung

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